Gedanken zur Kunst


Zur Kunst kann man sich viele Gedanken machen. Kommt Kunst von Können? Was bedeutet „kreativ sein“? Oder, um meine Schüler zu zitieren: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Auf dieser Seite werde ich in loser Folge meine eigenen Gedanken zu diesen Themen notieren.



21.01.19

Das war ein spannender Herbst! Die Arbeit an dem neuen Buch war eine phantastische Reise. Ich habe zehn Wochen lang konsequent jeden Tag eine Zeichnung gemacht. Und es war absolut faszinierend, wie sich die Geschichte unter meinen Händen entwickelte. Kunst hat ja immer auch ein Eigenleben. Manche Dinge wollen hartnäckig ganz anders sein als vorgesehen. Gut, dann dürfen sie auch her. Andererseits hatte ich die Stichworte einzubinden. Das gab dann oft ganz überraschende Wendungen. Manche Lösung musste schon drei Bilder vorher eingefädelt werden. Andere lebten vom Überraschungseffekt: Umblättern – ui, das Lebkuchenhaus! Und dann: Die Hexe! Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.

Danach kam das Ringen um das Cover: Heutzutage ist alles anders als noch vor ein paar Jahren. Man verwendet jetzt Stilmittel, die vor Kurzem noch völlig verpönt waren: Unterschiedliche Schriften, möglichst unregelmäßig und krakelig. Zentrierter Satz auf der Rückseite, verschiedenfarbige Schrift. Das Cover muss so aussehen, als habe man es eigenhändig gemalt und zusammengeklebt. Das war eine sehr lehrreiche Nacht, als ich mich an allem, was auf dem Kinderbuchsektor gerade Rang und Namen hat, stilistisch auf den neuesten Stand brachte. Umso mehr Spaß hat es dann gemacht, ein Cover genau so zu gestalten. Wenn man sich auskennt, muss man kein teures Design-Studio beauftragen, da reicht Hingucken und Selbermachen. Und dann ist es ein phantastischer Moment, wenn man das Buch fertig gedruckt in den Hand hält! Professionell gedruckt, eingeschweißt, mit ISBN, überall im Buchhandel erhältlich. Yippieh!

Aber damit ist die Arbeit nicht zu Ende. Jetzt muss man Prospekte gestalten und einen schönen, persönlichen Werbebrief. Kontakt zur Zeitung aufnehmen, die Werbetrommel rühren. Verpackungen ausprobieren, Porto berechnen, Rechnungen schreiben. Viel Arbeit, und doch so befriedigend. Und es läuft! Ich hatte ein sehr erfreuliches Weihnachtsgeschäft.

Nur eines werde ich nicht mehr so machen: Wenn ich wieder im Herbst mit einem Buchprojekt beginne, warte ich mit der Veröffentlichung bis zum Frühjahr. Zeichnen ist das Eine. Und die Drucklegung zum 15. November habe ich tadellos geschafft. Aber alles, was danach kam, brachte mich doch sehr nahe an den Weihnachtsmarkt... Man muss es ja nicht übertreiben.

18.09.18

Ich habe mit einem neuen Buchprojekt begonnen: Eine moderne Version von Hänsel und Gretel. Als Graphic Novel, basierend auf einer witzigen Kurzgeschichte, dich ich vor vier Jahren zu dem Thema geschrieben habe.

Geplant war dieses Projekt eigentlich erst für das kommende Frühjahr. Aber dann wurden die Inktober-Prompts überraschend früh veröffentlicht, schon am 1. September. Ich habe jetzt schon zweimal mit dieser sich jährlich erneuernden Stichwort-Liste gearbeitet: Im Jahr 2016 wurden es 32 Drachen-Zeichnungen, im Jahr 2017 drei Dutzend Cartoons mit Katzen und Mäusen. Also warum nicht die Arbeit mit den Stichworten in eine fortlaufende Geschichte einbinden? Jetzt ist noch genug Zeit, die Figuren vorab zu entwickeln. Das habe ich bisher noch nie gemacht: „So, wie sich das gehört“, alle Figuren zuerst mal von allen Seiten darzustellen, mit verschiedenen Haltungen und Gesichtsausdrücken. Damit man sein Material schon „Im Handgelenk“ hat, bevor man anfängt, die einzelnen Szenen zu zeichnen. So garantiert man, dass sich die Figuren später nicht allzusehr während des Zeichen-Prozesses verändern.

Und das mache ich jetzt gerade. Gretel lachend, kokett, glücklich, tanzend. Heulend, schmollend, verfressen, im Wutausbruch. Der Hänsel von von allen Seiten, kniend und stehend, arbeitend und faulenzend. Das macht Spaß!

Überhaupt ist das Ganze ein sehr spannender Prozess. Ich habe nicht von Anfang an alle Details genau vor Augen. Manche Dinge wollen partout aufs Bild, wie der Kuschelhase bei Gretel. Und das Kleid der Hexe nahm eine überzeugende Form an, noch bevor ich mir dessen bewusst war. Ich bin richtig gespannt, wohin das führt!

26.08.18

Jetzt kommt die schönste Zeit des Jahres: Der Sommer im Allgäu. Fast jeden Tag ziehe ich zum Malen los ins Gelände. Es ist jedes Mal eine logistische Herausforderung, alles Zeug und den Hund an die vorgesehene Stelle zu schaffen. Ich experimentiere mit Auto und Fahrrad, Anhänger und Handwägelchen. Von mir aus ist es in jede Richtung weit, mit dem Auto darf man nicht überall hin, und die Hitze des Rückwegs ist schlecht für den Hund am Fahrrad... Komme ich rechtzeitig heim, falls das Wetter umschlägt?

Aber wenn ich dann an der Arbeit bin, kommen gesegnete Stunden. Die Vögel zwitschern, die Sonne wandert. An manchen Stellen bin ich die ganze Zeit alleine. An anderen Tagen kommen im Zehnminutentakt Passanten mit Hund vorbei oder Bauern auf breiten Maschinen. Interessanterweise treffe ich bei den Bauern immer auf Wohlwollen. Dabei muss ich oft erst den Malertisch aus dem Weg rücken, damit sie mit ihren Traktoren durchkommen. Wahrscheinlich freut es sie, dass ich „ihre“ Landschaft so liebe.

Zwischendurch gibt es eine Pause auf dem Dreibein-Hocker, und der Hund und ich teilen uns eine Handvoll Nüsse. Wir sind ein bewährtes Team, seit Jahren gemeinsam unterwegs. Und wenn ich dann wieder zuhause bin, sind alle glücklichen Gefühle dieses Tages in dem neuen Bild gespeichert.

18.05.18

Ab Mitte Juni gestaltet die „Galerie am Judenberg“ in Augsburg ihr Schaufenster mit meinen „Augsburger Impressionen“. Ich habe im Winter schon sieben davon angefertigt, jetzt schiebe ich noch einmal nach. Der Besitzer der Galerie, Herr Ulrich, hat ausdrücklich betont: „Hier müssen die wirklichen Sehenswürdigkeiten her. Nicht malerische, unbekannte Winkel, sondern Rathaus und Dom.“ Na, dann mal ran an die Herausforderung.

Und es ist jedes Mal das Gleiche: Zuerst denke ich: „Das kennst du ja, so arg wird es nicht sein.“ Dann trifft mich der Schlag angesichts der unglaublichen Detailfülle. Das Augsburger Rathaus hat über 60 Fenster. Das Zeughaus hat eine weltberühmte, riesige Skulpturengruppe über dem Eingang. Und der Hohe Dom ist ohnehin ein Kapitel für sich, mit seinen Türmen, Kapellen und Stein- und Bronzefiguren. Ich zeichne tagelang hin an so ein Gebäude, zuerst auf dem Skizzenblock, dann auf dem Blatt. Und dann male ich in Geduld, Stockwerk für Stockwerk.

Und das Wunder geschieht: Die komplexe Vielfalt entschlüsselt sich. Die Kunst des Bauherren wird greifbar. Zusammen mit Wolken und Bäumen, Passanten und Schattenspiel lässt sich die Stimmung auf dem Platz einfangen. Und zuletzt habe ich immer wieder „mein eigenes“ Stück Augsburg.

26.03.18

Der Winter ist vorbei, und ich fröne meiner großen Leidenschaft: Ich zeichne Tiere aus dem Augsburger Zoo. Tiere sind das größte Geschenk! Ich brauche eine Stunde für eine detaillierte Zeichnung, und so lerne ich den Löwen wirklich kennen. Wann sonst schaut man so lange hin? Und wenn ich ihn gezeichnet habe, „gehört er mir“. Ein Bild ist ein Freund fürs Leben.

14.03.18

Das war das ereignisreichste Halbjahr in meiner Laufbahn als Malerin! Inktober war einfach nur herrlich. 35 Zeichnungen sind es geworden, ein wahrer Schatz. Natürlich werde ich sie wieder zu einem Buch verarbeiten. Dann kam die Ausstellung. Meine zweite große Einzel-Ausstellung im Augsburger Zeughaus. Wir haben – ein grandioser Einfall meines Mannes! - alle Vitrinen mit roter Backsteintapete verkleidet. Auf diesem Hintergrund kamen die Tuschezeichnungen phantastisch zur Geltung, und auch die Landschaftsaquarelle sahen hervorragend davor aus.

Ich liebe Ausstellungen! Es gibt nichts Schöneres, als alle meine geliebten Werke so groß beisammen zu sehen. Das hat man ja sonst nie. Ich präsentiere sie gerne, ich erzähle gerne von ihnen, und die Leute hören mir gerne zu. Dieses Jahr hatte ich u.A. die Zeichnungen zu meinem Buch „Danny der Drache“ ausgestellt, und das Buch ging weg wie warme Semmeln. Sowas freut den Künstler.

Ich habe die ersten Aquarelle verkauft, und mir damit eine ganz andere Wertschätzung bei meinem Lehrer Philipp Reisacher erworben. Jetzt bin ich eine „Meister-Schülerin“, und er unterstützt mich darin, meinen eigenen Stil zu entwickeln.

Die Verkäufe wiederum brachten mir die Aufmerksamkeit des Galeristen Peter Ulrich ein, Besitzer der „Galerie am Judenberg“ in Augsburg. Er gab eine Serie von Aquarellen mit Augsburger Motiven in Auftrag.

Als zum Jahreswechsel meine berufliche Anstellung endete, fasste ich einen entscheidenden Entschluss: Ich bewerbe mich nicht weiter für etwas, das ich die letzten 20 Jahre gemacht habe. Irgendwann muss Schluss sein, und ich will etwas Neues: Ich mache mich als Malerin selbständig! Sowas stürzt einen in vollkommen neue Gewässer. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich einen Business-Plan verfassen. Sehr ungewohnt, aber es ist durchaus hilfreich, wenn man sich mal wirklich Gedanken macht: Was genau will ich machen? Wie ist mein Auftreten am Markt? Wo liegen meine Stärken, und wie sind die Erfolgsaussichten? Es war wie ein Ritterschlag, als das Institut für Freie Berufe meinen Businessplan mit einer guten Note absegnete – in „Ausbildung und Qualifikation“ hatte ich sogar die Höchstnote bekommen!

Und jetzt bekommt das Ganze eine ganz neue Eigendynamik. Ich habe einen neuen Onlineshop eröffnet, beim internationalen Kreativmarkt für Künstler und Kunsthandwerker: Einen Etsy-Store. Jetzt sind meine Aquarelle in ganz Europa erhältlich. Ich habe mich bei Kunst im Park in Kempten angemeldet, ich stelle beim Ostermarkt in Türkheim 13 Winterbilder aus, ich bewerbe mich für 2019 für die Ausstellung im Botanischen Garten.

Und ich male: gezielt, regelmäßig, mit Blick auf den Anlass. Und es ist wie immer - viel Arbeiten bringt mich voran. Mein Blick schärft sich, meine Technik wird besser. Inzwischen kann ich historische Gebäude vom Foto abzeichnen und mir das Wetter dazudenken. Kein Schnee? Scheußliches Wetter? Kein Problem. Ich kann den strahlenden Föhn-Tag mit dem Pinsel heraufbeschwören. Oder ich verwandle einen grauen Regentag in das sanfte Januarlicht mit tiefstehender Sonne, das ich aus dem Augenwinkel ganz woanders wahrgenommen habe.

Ich bin so glücklich – es ist eine herrliche, kreative Zeit.

04.10.17

Endlich ist wieder Inktober-Zeit! Letztes Jahr habe ich eine Serie von 32 Drachen-Graphiken geschaffen, die bilden eines der zentralen Themen für meine Ausstellung. Dieses Jahr will ich etwas Neues machen: Ein-Bild-Cartoons, mit Katzen und Mäusen. Wie entsteht ein Witz? Durch das Unerwartete. Entweder die Zeichnung oder der Text muss den Haken schlagen. Ich beginne immer morgens mit dem Denken (nicht mehr nachts nach dem Einstellen des letzten Bildes, sonst bleibe ich die ganze Nacht wach.) Oft ist die einfache Lösung die bessere. Wie viele komplizierte Storys habe ich schon verworfen! Aber es gelingt mir von Tag zu Tag besser. So etwas wollte ich immer schon mal machen, und man bleibt viel zu oft bei dem, was man schon kann. Oft suche ich mir gezielt Themen, die ich noch nie bearbeitet hatte: Einen Löwen – ein Krokodil – einen Turm von oben gesehen - ein Piratenschiff. Das tägliche Muss ist eine gute Hilfe. Notwendigkeit ist die Mutter aller Künste!

20.09.17

Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr es in meinem künstlerischen Schaffen auf und ab geht. Es gibt Wochen, da kriege ich nichts aufs Blatt. Jetzt im Sommer war sechs Wochen lang absolute Sendepause. Ich hatte den Kopf voll mit der Vernissage, viele Stunden täglich. Und Zeichnen ist nun mal nichts für nachts zum Entspannen. Zeichnen und Malen ist Arbeit, da muss man seinen Kopf dabei haben.

Dann Urlaub, zwei Wochen Ruhe in einer Ferienwohnung. Nichts außer Wandern und Kunst. Und jeden Tag springt eine witzige Idee auf und lässt sich sofort festhalten. Mein Strich ist so sicher wie eh und je – ich bin richtig erleichtert. Am Wochenende zerre ich mir einen Knöchel: Aus ist es mit dem Wandern. Mein Mann stürzt sich mit dem Hund täglich tapfer in den Regen, und ich bleibe zuhause und lege den Fuß hoch. Und es entstehen sechs Aquarelle in Folge. Ich merke deutlich, wie ich mich von Tag zu Tag verbessere. Brauche ich doch irgendwann mal ein Atelier außerhalb? Eine Adresse, wo nur meine künstlerische Arbeit zuhause ist, und sonst nichts?

18.07.17

Das neue Buch ist eingetroffen! Nichts ist so spannend, wie ein Buchpaket zu öffnen: Stimmt alles? Maße, Farben, Text – keine Fehler? Ich arbeite ja mit einer Druckerei, in der sich sonst nur Profis bewegen. Also keine Hilfe, keine Endkorrektur, man muss alles selber machen. Es hat Wochen gedauert, bis ich mich in diese Software eingearbeitet hatte! Aber dann, wenn das Paket da ist, ist es ein Erfolgserlebnis schlechthin: Yippieh, es ist genau so geworden, wie ich es haben wollte! Die Zeichnungen kommen wunderbar zur Geltung. Der Text schildert, was ich sagen wollte. Und ein happy end gibt es auch. Ich liebe Bücherschreiben!

14.07.17

Ach du je, ein Dreivierteljahr ist vergangen! Aber es war ein fruchtbares: Ich bin wieder gesund! Solide Therapie und ein sechswöchiger Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik haben Wunder gewirkt. Und untätig war ich natürlich auch nicht in der Zeit. Schon im letzten Jahr habe ich meine verschiedenen Stimmungen in Drachenbildern festgehalten. Da kam ganz schön was zusammen an Kummer, Schmerz, Wut, Hass und Verzweiflung... ich bin ja nicht umsonst seelisch belastet gewesen. In der Klinik trat ich dann gleich mit dem Skizzenbuch an. Man soll ja Tagebuch führen. Aber festzuhalten, was wer wann gesagt hat, war mir zu anstrengend. Viel lieber habe ich von Tag zu Tag jeweils das wichtigste Ereignis festgehalten. Eine kleine ironische Distanz ist hilfreich, und Karikaturen dürfen ja auch übertreiben. Die Therapie war am Anfang spannend, oft lustig, und meistens sehr anstrengend. Das sieht man dann eben auch an den Bildern. In der Mitte des Aufenthalts war ich froh, mich in die Komik flüchten zu können. Aber bald ging es aufwärts, und das fröhliche Happy End lief mir dann ganz von selbst in die Feder.

Jetzt habe ich, wie so oft, ein Buch draus gemacht: „Danny, der Drache“.

15.10.16

Die schönste Zeit im Jahr ist da: Die Inktober Challenge, Das ist etwas Herrliches! Ich arbeite „in der Notwendigkeit“ immer besser als einfach nur so. Und jetzt ist die Notwendigkeit gegeben: jeden Tag eine Zeichnung anfertigen zu einem vorgegebenen Stichwort. Mit Drachen und Menschen, und das Bild soll eine kleine Geschichte erzählen. Ich will jeden Tag bis spätestens sieben Uhr abends fertig sein, damit das Bild online kommt. Und ich will alle paar Tage zu den neuen Bildern einen Drachenmonolog verfassen. Was der beteiligte Drache sich so denkt – das gibt dem Bild oft noch eine ganz überraschende Deutung. Alles zusammen ergibt mein neues Buch, vielleicht wird es noch vor Weihnachten fertig.

Ich habe lange überlegt, welchen Stil ich für die Geschichten verwenden soll. Reine Prosa? Gedichte im Stil von Christian Morgenstern, witzig und mit Reim? Zuletzt entscheide ich mich für mein Lieblings-Format: Fünffüßige Jamben. Das ist der Stil, in dem Shakespeare schrieb, und er kommt mir schon seit Jahren wunderbar entgegen. Das entspricht fast dem Sprechrhythmus, deshalb konnten die Schauspieler auf der Bühne auch so gut improvisieren. Es reimt sich nicht am Ende, das macht den Sprachfluss schnell. Und die kurzen Sätze eignen sich gut für Ausrufe. Drachen dürfen ja ruhig auch mal bisschen rumpöbeln, sie sind ja keine Schoßhunde. Und am Ende jeder Geschichte kommt ein gereimter Zweizeiler, da kann man dann noch eine kleine Pointe einbringen.

Es macht mir so einen Spaß! Bei den Bildern weiß ich inzwischen vorher, was ich zeichnen will. Aber bei den Geschichten lasse ich mich oft von den eigenen Gedanken überraschen.

15.09.16

Ich schreibe ja fast jedes Jahr ein kleines Buch. Dieses Jahr ist es etwas ganz Besonderes geworden. Im Jahr 2011 war ich zweimal im Kloster zu Ignatianischen Exerzitien. Da versucht man, sich selbst in eine Bibelstelle hineinzuversetzen. Bei mir hat das damals ganz phantastisch geklappt: Ich war mitten im Geschehen, habe die Geschichte selbst erlebt. Anschließend habe ich das „Erlebte“ zu einer Geschichte ausformuliert und kleine Bilder dazu gezeichnet.

Das lag jetzt jahrelang in der Schublade, so viel anderes war wichtiger als das Religiöse. Ende 2015 habe ich die Geschichten abgeschrieben – tatsächlich, sie gefallen mir immer noch! Keine Eintagsfliege! Also habe ich alle sechs zu einem kleinen Buch zusammengefasst. Unschlüssig zuerst, ob ich die noch sehr einfachen Zeichnungen von damals verwenden soll, schließlich kann ich es jetzt deutlich besser. Aber ich habe mich dann doch für das Authentische von damals entschieden. Und es ist ein wunderbares, sehr anrührendes kleines Buch geworden. Die ersten Reaktionen sind überwältigend.

01.08.16

Hurra, ich gehe zum Malen ins Gelände! Manchmal muss der Mensch einfach Glück haben. Philipp Reisacher, der Münchner Landschaftsmaler, hat mich als Schülerin angenommen. Aquarellmalerei, so richtig nass in nass, ist mir ja völlig fremd. Aber seine Werke sind so unglaublich stimmungsvoll! Jetzt verbringen wir gemeinsam Vormittage unter freiem Himmel, und ich lerne so viel. Niemals ein Grün aus dem Kasten verwenden, jeden grünen Fleck einzeln anmischen! So entsteht diese lebendige Vielfalt. Und man muss schnell arbeiten, damit das Papier nicht trocknet. Sehr ungewohnt noch alles, aber ich übe fast täglich. Und merke, wie sich meine Wahrnehmung in der Natur verbessert.

01.07.16

Nie hätte ich gedacht, dass ich mal so lustige Drachen modellieren werde! Anfangs war ich ja noch ganz puritanisch: „Meine Drachen tragen keine Kleider!“ Dann modellierte ich ein Brautpaar und siehe da: Mit ein paar Accessoires kann man viel mehr aussagen als nur mit Haltung und Gesichtsausdruck. Bei der Haltung bin ich ja ohnehin gehandicapt: Die Figuren sind so leicht, dass sie gut auf dem Boden sitzen sitzen müssen. Sonst fallen sie um. Aber jetzt kriegen sie alles mögliche aufgesetzt und in die Hand, und das erweitert die Vielfalt unglaublich. Die sechs Exemplare für „Sommerferien 2016“ waren in drei Stunden modelliert, und es war nur herrlich.

01.06.16

Mein Tagebuch macht mir Freude. Natürlich ist es nicht bei den einfachen Zeichnungen geblieben. Die Lust am Detail lockt. Und seit es mir wieder etwas besser geht, kommt auch der Sinn fürs Komische wieder durch. In meinem nächsten Leben werde ich Cartoonzeichner!

01.05.16

Jetzt habe ich mehr Zeit – wir gehen in den Tierpark. Ich bin ein leidenschaftlicher Tierpark-Fan. Zum ersten Mal nehme ich einen Skizzenblock mit und versuche, Tiere mit dem Bleistift einzufangen. Das Hauptproblem ist, dass sie nicht stillstehen. Also konzentriere ich mich auf langsame Tiere: schlafenden Tiger, liegende Python, ruhendes Krokodil. Es klappt! Man lernt – wie immer – hinzuschauen und das Nötige zu erfassen. Ich bin nicht an allen Tagen gleich gut, es hängt auch von der Verfassung ab. Manchmal brauche ich drei Ansätze, dann wieder sitzt es auf Anhieb.

Im Netz findet man zu Tausenden wunderbare Bleistiftzeichnungen von Tieren. Alle nach Fotos gemacht. Aber das ist es nicht, was ich will. Abzeichnen – das gibt nur einen Abklatsch. Ich will die Seele des Tieres spüren.

Mit der Zeit schaffe ich es, Bewegungen des Tieres zu verarbeiten. Einmal graste in Augsburg ein Nashornbulle keinen zwei Meter vor mir. Zuerst nach rechts, dann nach links. Man sieht es der Skizze nicht an, dass die vordere Hälfte des Nashorns „richtig“ gezeichnet wurde und die andere „spiegelverkehrt“.

10.04.16

Nach einem sich immer weiter verschlechternden Frühjahr bremst mich die Diagnose aus: Ich bin krank. Und zwar so, dass ich mich auf eine längerfristige Therapie einstellen muss. Das Ganze geht mit rapidem Kräfteverlust einher. Also setze ich den Rotstift an und streiche, so gut es geht. Dass ich die Ausstellung verschieben muss, die für Oktober geplant ist, trifft mich am härtesten. Denn das Konzept ist schon fast fertig, und ich habe mich auch sehr drauf gefreut. Aber man muss realistisch sein. Vierzehn Tage vor Eröffnung absagen zu müssen wäre noch viel schlimmer, und die Aussicht, dass ich es unbeschadet durchziehe, ist nicht gegeben. Wir verschieben es auf November 2017.

Zum Malen fehlt mir die Kraft. Aber manchmal lasse ich den Stift einfach so laufen und werfe meine Gefühle aufs Papier: Angst, Schmerzen, Elend, Wut. Erstaunlich, was man mit ein paar Strichen alles aussagen kann!

09.01.16

Die Teilnahme am Weihnachtsmarkt in Türkheim war ein herrliches Erlebnis. Kurz vor dem Aufbau musste sich meine Partnerin zurückziehen, so hatte ich plötzlich die ganze Hütte zu füllen. Um so schöner wurde es, als alles aus einer Hand kam. Mein Mann war in seinem Element: Professionelle Elektrik und Beleuchtung, Steckdosen an allen vier Ecken, Tisch, Regal und Wandverkleidung – es war der reinste Palast. Und dann habe ich einen Tag lang schöne Sachen reingeräumt. Ist das herrlich, wenn man für 10 Tage aufbaut und nicht nur für einen einzigen! Da lohnt es sich dann auch, so richtig aus dem Vollen zu schöpfen. Bücher und Bilder, kleine Sammeldrachen, Puppenkleidung, Postkarten, Puzzles und Memo-Spiele. Und es war so nett, zu sehen, wie sich die Leute über das bunte Angebot gefreut haben. Ich hab buchstäblich aus jeder Sparte was verkauft, das hat man selten. Und es gibt Leute, die mit Kennermiene vor meinem Postkarten-Display stehen bleiben und sagen: „Ah, die ist neu! Und die da kenne ich auch noch nicht!“ Sowas freut den Künstler.

08.10.15

Beim Zeichnen ist es oft noch schwieriger. Man ist von so vielen Dingen abhängig. In der Sommerakademie bei Friedrich Hechelmann im September durfte ich eine schlanke weiße Marmorstatue zeichnen. Sie stand im hellen Treppenhaus und war wunderschön. Voller Vorfreude schleppte ich meinen Tisch die Stufen hinauf. Aber die Venus stand mit dem Rücken zum Fenster – das verschattet die Vorderseite. Ich hätte sie gerne von rechts gezeichnet, das war ihre „Schokoladenseite“. Aber dort versperrte mein Tisch den Treppenaufgang. Also nahm ich die linke Seite, die eigentlich abgewandte – was blieb mir übrig? Das Gleiche war es mit der Augenhöhe. Der Betrachter einer Statue sucht sich automatisch den besten Blickwinkel. Der Zeichner ist auf Tisch- und Sitzplatz-Höhe angewiesen. Angucken, evtl. Fotografieren als Museums-Besucher, das geht schnell. Zeichnen dauert Stunden. Das geht nicht im Stehen, nur um der Statue schön ins Auge sehen zu können. Man muss einigermaßen entspannt sitzen können, sonst hält man nicht so viele Stunden durch. Dafür ist das Ergebnis dann ganz individuell: Nicht das Bild, das sich jeder eingeprägt hat. Sondern eine ganz unerwartete Ansicht von der Seite.

20.09.15

Kunst lehrt dich Demut. Man wird immer so an die Grenzen des Möglichen herangeführt. Ein Puppenfoto im Herbst? Kein Problem, möchte man meinen. Aber zuerst gilt es, das Bild vor dem inneren Auge zu entwerfen. Die Accessoires zu besorgen und zusammenzusuchen, die Kleidung zu nähen und zu stricken. Dann braucht man geeignetes Wetter: Nicht zu sonnig, das gibt Spiegelungen in den Puppengesichtern. Aber auch nicht zu windig: Puppen haben keinen festen Stand. Und bei Regenwetter rolle ich nicht gerne auf dem Boden herum. Puppen wollen ja auf Augenhöhe fotografiert werden. Bis ich eine geeignete Stelle finde für das, was mir vorschwebt, fahre ich oft tagelang in der Gegend rum. Und dann wird fotografiert. Von allen Seiten, in unterschiedlichen Positionen, aus verschiedenen Blickwinkeln. Und trotzdem kann es passieren, dass es nichts wird. Dass das Motiv nicht das hergibt, was ich wollte. Oft hängt es einfach auch mit der geringen Größe der Puppen zusammen. Der niedrige Blickwinkel verengt das Blickfeld. Oder irgendeine Kleinigkeit im Hintergrund stört und ruiniert das ganze Bild. Es kommt auch vor, dass ich einfach nicht zufrieden bin: Das Foto ist tadellos, und trotzdem ist es banal. Keine Aussage, keine Spannung im Bildaufbau. Manchmal lösche ich die Ergebnisse eines ganzen Tages. Und dann wieder gibt es Fotos, wo ich sofort sehe: das ist es. Ich habe den Zauber des Augenblicks eingefangen.

20.07.15

Sommerloch. Ich bin noch nicht richtig drin im neuen Anfang, erhoffe mir einen vergleichbar fröhlichen Schub wie letztes Jahr in den Sommerferien. Eigentlich will ich Bäume zeichnen und Landschaftsbilder malen, aber uneigentlich drängeln sich die Mangas nach vorne. Ich liebe diese klare Struktur, diese brillanten Farben. Letzten Endes läuft es immer auf das Gleiche raus: Postkarten-Bilder. Ich verschicke leidenschaftlich gerne Postkarten. Früher habe ich jahrelang jeden Tag eine verschickt und hatte eine ganze Reihe von Brief-Freundinnen. Und jetzt? Alles weg. Kein Mensch schreibt mehr Briefe, und niemand beantwortet eine Postkarte. Das kann doch nicht wahr sein, dass so ein schönes Medium einfach verschwindet!

Der große Postkartenständer in meinem Flur ist wie eine kleine Ausstellung, ich freue mich jedesmal, wenn ich an ihm vorbeigehe. Aber ich habe noch keine Möglichkeit gefunden, ihn öffentlich unterzubringen. Ein Newsletter meiner Lieblings-Druckerei bringt eine bezaubernde Idee: Postcrossing! Das ist eine Gemeinschaft von Postkarten-Liebhabern auf der ganzen Welt. Man zieht beliebig eine Adresse aus dem Hut und schreibt eine fröhliche Karte dorthin. Und wenn deine Karte dort ankommt, wird deine eigene Adresse freigeschaltet, und jemand anderer schreibt dir. Also nicht „zurück“, was ja für den Empfänger immer einen gewissen Druck bedeutet. Sondern der nächste, der grad Lust zum Schreiben hat, kriegt deine Adresse. Herrliche Idee, wieso habe ich das nicht schon vor 10 Jahren gefunden? Grad ist Jubiläum! Jetzt schicke ich meine Postkarten um die ganze Welt. Nach China und Russland sind schon welche unterwegs, nach Taiwan und Weißrussland, zwei in die USA und zwei nach Deutschland. Und Diana aus Portugal hat schon sehr herzlich per Mail geantwortet. Das Ganze ist so nett! Ich kann wieder Postkarten schreiben – sie gehen an Leute, die sowas schätzen – meine Bilder werden gesehen – es kostet nichts, nur Porto – und ich kriege auch mal wieder echte, weit gereiste Post. Und ich hab endlich Verwendung für mein Englisch! Ich hab sofort meine Karten mit den coolen Sprüchen nochmal in englisch drucken lassen: bei der Druckerei, die mich auf diese Idee gebracht hat. Das haben sie verdient. Und jetzt: „Come to Mom, sweetie!“

02.07.15

Mein Lehrer, Friedrich Hechelmann, veranstaltet eine Ausstellung in seinem Schloss in Isny, bei der er seine Sommer-Akademie vorstellt. Unter den vielen Schülern die bei ihm gelernt haben, wählt er einige aus, ich bin auch darunter. Ich fühle mich zutiefst geehrt. So viel habe ich von ihm gelernt: Das genau Hinschauen, das Spiel mit den satten Farben und die Lust am kleinen Augenzwinkern. Auch in der Einstellung zur Kunst hat er mich ins „richtige Gleis“ gesetzt: Zuerst kommt das Handwerk. Der künstlerische Ausdruck entwickelt sich erst in der Arbeit.

Es ist ein äußerst spannender Moment, als wir alle unsere in Frage kommenden Bilder auf den Tischen ausgebreitet haben. Er will ja nur Werke sehen, die unter seinen Augen entstanden sind. Er nimmt einen Bogen mit kleinen roten Punkten und geht prüfend von Tisch zu Tisch. Und das erste Bild, das er auswählt, ist meine Reliefkachel. Ich habe meinen Ritterschlag erhalten.

15.06.15

Zum zweiten Mal war ich jetzt bei „Kunst im Park“. Was für ein Unterschied zum letzten Jahr! Ich habe bezaubernde Sachen dabei. Die kleinen Moosgummidrachen werden auf Anhieb geliebt. Von den Kindern sowieso, aber auch die Erwachsenen sind entzückt. Sogar Männer!

Dieses Jahr finde ich auf Anhieb Kontakt zu den Besuchern. Ich kann etwas erzählen, und die Leute hören gerne zu. Jede Postkarte, jedes Figürchen hat seine eigene Geschichte, und die Leute freuen sich. Es ist mit den Drachen das Gleiche wie mit den Clowns: Nicht jeder hat ein Auge dafür. Aber die, die es lieben, sind glücklich, wenn sie meine Motive finden.

Interessant ist wie immer das Spiel mit dem Verkaufspreis. Auf diesem Markt gab es eine klare Grenze für das, was man einem Kind spendiert. Schließlich sind fast immer noch Geschwister dabei, und Kinder sehen an jedem Stand etwas Schönes. Mit meinen „Kemptener Sammel-Drachen“ liege ich genau richtig.

07.05.15

Eine Vernissage ist etwas Herrliches! Schon das Aufbauen der Ausstellung ist wunderbar. Es ist eine unglaublich erfüllende Erfahrung, wenn das, man man so lange planend unter den Händen hatte, endlich Gestalt annimmt. Wirklich räumlich, im Licht, in Vitrinen, im Bezug auf Ausstellungsräume.

Und dann die Vernissage an sich: Wie wundervoll, dass alle Arbeit getan ist! Ich muss nur noch hingehen und es genießen. Das, was man so lange alleine und in Ruhe im Atelier gearbeitet hat, dann mit anderen Menschen diskutieren. Erklären, zeigen, auf Details aufmerksam machen. Vergleiche ziehen zwischen älteren Bildern und neuen, Entwicklungen aufzeigen. Bücher signieren, Verkaufsgespräche führen... es macht unglaublich viel Spaß!

Und eben auch, zu sehen, dass die Besucher sich freuen. Das habe ich schon beim Aufbauen erlebt. Dass sie die Bilder mögen, gerne von Vitrine zu Vitrine gehen, und wirklich etwas mitnehmen. Nicht nur ein Bildkärtchen mit meiner Adresse drauf, sondern auch ein Lächeln, eine Freude für den Tag. Genau so soll es sein. Ich bin gerne eine Quelle für gute Laune.

19.04.15

Meine Malerei hat sich – ganz unerwartet – einen entscheidenden Schritt weiter entwickelt. Zum ersten Mal habe ich mit spontanen Gefühlen gearbeitet. Eine hässliche berufliche Auseinandersetzung, die mich unvorbereitet im Urlaub erwischte, konnte durch leidenschaftliches Modellieren abgearbeitet werden. „Da, nimm das!“ Als das Modell, im Zorn hingehauen, fertig war, malte ich es schnell, ungestüm und ohne Vertiefung von Details. Eine reine Studie... aber die hat Kraft!

11.04.15

Die Ausstellung ist in Reichweite, und ich bin in voller Fahrt. Wie immer beflügelt es mich unglaublich, ein festes Ziel zu haben. Auch wenn es nicht viel mit „künstlerischer Arbeit“ zu tun hat, ist es ungemein befriedigend, seine Gedanken so auf den Punkt zu bringen: Einen Prospekt zu gestalten, einen Titel und das dazugehörige Titelbild auszuwählen, die Bilder zu sichten und in verschiedene Schwerpunkte aufzuteilen, alles zu rahmen, Begleittexte zu schreiben etc. Auch die Malklasse bringt ihrem Teil ein. Einen ganzen Tag lang kämpfen sich die Jugendlichen tapfer durch die gleichen administrativen Anforderungen. Natürlich könnte ich es ihnen abnehmen, aber es gehört nun einmal dazu. Auch ein Künstler muss lernen, sich zu präsentieren.

02.03.15

Ich habe eine neue Leidenschaft gefunden: das Modellieren. Von meinem Lehrer Friedrich Hechelmann hab ich ja gelernt: „Zeichnen Sie, was Sie sehen!“ Mit Puppen und einzelnen Drachenmodellen habe ich es schon ausprobiert, aber jetzt gehe ich richtig in die Vollen: Ich modelliere zuerst, was ich haben will, und male es anschließend. Das ist eine äußerst befriedigende Erfahrung! Modellieren ist viel einfacher, als ich gedacht habe. Natürlich dauert es, bis man die Technik heraus hat. Aber man lernt unglaublich viel dabei. Ein Gesicht, einen Körper selbst zu modellieren, hinterlässt einen viel tieferen Eindruck, als ihn nur zu malen. Und das Dreidimensionale der Körper, Licht und Schatten kann ich mir nie wirklich überzeugend „ausdenken“, das muss ich schon sehen. Außerdem kann man hinterher beim Malen einzelne Fehler unauffällig korrigieren. Bei einer Sitzung hatte ich kein „richtiges“ Material für die Hautfarbe. Nur einen viel zu weichen Ersatz, der ständig wieder aus den Fugen geriet. Die Personen wurden also sehr „charakterstark“ mit ihren verformten Gesichtern. Aber beim Malen konnte ich schiefe Münder in bezauberndes Lächeln umgestalten und schräge Blicke in einen fröhlichen Augenaufschlag.

Allerdings - einen erschreckenden Aspekt hinterläßt das Ganze doch. Wenn ich meine Modelle zeige und die daraus entstandenen Bilder, ernte ich immer wieder die gleiche Reaktion: „Ah, das hast du nach der Vorlage modelliert, oder?“ Ich finde das wirklich besorgniserregend. Modellieren ist ein so einfacher, kreativer Akt, er gelingt direkt aus der Hand heraus. Man muß nur das dransetzen, was man haben will. Aber jeder meint, man müsse eine Vorlage dazu haben.

Auf der anderen Seite ist die Erkenntnis völlig verloren gegangen, dass Malerei in erster Linie etwas Reales darstellen soll, und nicht etwas, das ich mir mal schnell ausgedacht habe. Ohne jede Rücksicht auf Wirklichkeitstreue. Die moderne, comic-hafte Malerei hat da in den Köpfen schon wirklich etwas angerichtet!

21.12.14

Das war ein sehr interessantes Vierteljahr. Ich habe so viel gelernt! Das Ringen um die eigene Identität: Ein Logo erstellen, verschiedene Werbemittel, ein Banner für den Shop. Wer bin ich? Welcher Aspekt meiner Arbeit ist mir selbst am wichtigsten? Was verkauft sich gut – was will ich verkaufen? Worauf kommt es mir an?

Dass meine gewebten Bänder so einen Zuspruch finden, freut mich. Und das Geld kann ich brauchen – so eine Existenzgründung ist richtig teuer. Aber ich will dennoch nicht wieder zurück an den Webstuhl. Ich will Malerin sein und bleiben. Es hat viel Spaß gemacht, Produkte für den Shop und den Stand zu kreieren. Viel Umsatz ist es noch nicht, ich bin einfach noch nicht bekannt genug. Aber die Erfahrung zeigt: wenn jemand meine Produkte wahrnimmt inmitten den bunten Kindersachen am Stand, dann kann ich auch davon erzählen. Und dann nimmt er auch etwas mit und freut sich darüber. Für den Christkindlmarkt lasse ich mir Visitenkarten drucken mit unterschiedlichen Bildern drauf. Und verschenke sie an die Kinder, die immer nur schauen dürfen und nie etwas anfassen.

Ich merke, dass es mir gar im Moment noch nicht so sehr um den Umsatz geht. Ich will, dass die Leute mich sehen. Dass sie meine Bildersprache kennenlernen, dass sie meine Geschöpfe mögen. Denn die sind Persönlichkeiten. Je öfter ich sie sehe, desto mehr liebe ich sie, jedes Drachentier einzeln.

Oft gewinnt man überraschende Erkenntnisse: Ich habe in der guten Laune des Novembers verspielte Adventsdrachen gezeichnet. Dann wandte ich mich der Weihnachtsmalerei zu. Ich male jedes Jahr eine eigene Weihnachtskarte, das hat Tradition. Früher war es viel Kalligraphie, dann kamen Bleistiftzeichnungen von Engeln, dann die Puppen. Und dieses Jahr? Ein Drache in der Krippe? Vor dem... hinter dem... auf dem Stall? Unmöglich, ich entscheide mich sofort dagegen. Die christliche Gnaden-Botschaft mag ich nicht mit dem lustigen Drachenspaß vermischen. Ich male eine innige Darstellung der Heiligen Nacht. Liebe und Fürsorge, auf kleinstem Raum eingefangen, und darüber das Licht des Sterns. Sie gefällt mir gut.

Aber die lustigen Adventsdrachen, die ich zur Zierde des Shops verwendet habe, für fröhliche Werbe-Postkarten und moderne Weihnachtskarten, sind der Renner. Jeder liebt sie. Und dann ist es mir auch recht. Gute Laune und Fröhlichkeit zu Weihnachten zu verschenken ist auch viel wert.

15.09.14

Ich habe vier Wochen lang wirklich frei gehabt: Zwei Wochen zuhause und zwei Wochen in einer Ferienwohnung. Unglaublich, wie sowas die Kreativität ankurbelt! Die gesamte Serie der Comic-Drachen entsteht in diesen 30 Tage, sechzehn Motive. Da sieht man mal wieder, wie lähmend sich die allgemeine tägliche Arbeit auswirkt. Wenn man jeden Tag „die Liste abarbeitet“, ist kein Platz mehr für neue Ideen. Ich beschließe sofort, alle Freizeitaktivitäten, die für den Herbst geplant waren, zu streichen. Wenn die Tage anstrengend sind, brauche ich freie Abende. Malen braucht nicht nur Zeit, sondern auch geistige und körperliche Fitness.

Und jetzt kann ich aus dem Vollen schöpfen. Meine Motive eignen sich für alle möglichen hübschen Produkte. Ich habe eine Einladung zum Memminger Christkindlmarkt bekommen – soll ich es wagen?

15.08.14

Also mache ich alles selbst. Text und Bilder sind ja seit einem Dreivierteljahr fertig. Aber jetzt geht’s an das Layout für das neue Format. Ich brauche auch eine neue Umschlaggestaltung, in Abstimmung mit einer befreundeten Designerin. Dazu das Rumraufen mit der Software („sämtliche verwendeten Schriften müssen im pdf-Format eingebettet sein...“ etc). Ich habe eine kleine Druckerei in Kiel gefunden, die sehr nett und hilfreich ist. Dieses Herzklopfen, als nach tagelangem Ringen endlich die Datei fix und fertig dort angekommen ist! Noch ein Probe-Exemplar, nochmal kleine Anpassungen – jetzt geht es in Druck, hurra!

01.08.14

Ich habe mich entschieden, mein Drachenbuch selbst zu veröffentlichen. Es hat sich kein Verlag gefunden, der es nimmt. Und nach einem guten Jahr Produktbeobachtung ist mir auch klar, warum: Die Herstellung wäre zu zu teuer, und es passt nicht in die momentan übliche Kinderbuch-Landschaft. Ich hätte es gern in der klassischen Kinderbuchschiene gehabt: Din-A-4 groß, gebunden, 13,95 €. Zum Vorlesen für kleine Kinder, denn es ist spannend und lustig. Aber den Verlagen ist es nicht „moralin-sauer“ genug. Die modernen Kinderbücher sind überfrachtet mit political correctness. Umweltbewusstsein, Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Menschen mit Migrationshintergrund, Mülltrennung – muss das alles in Bilderbücher ab 5 Jahren rein? Man findet kaum noch Bücher, wie wir sie als Kinder gelesen haben: Einfach nur witzig, lustig, gut erzählt. Anrührend und spannend – ist das nicht genug für kleine Kinder? Auch der kleine Joe in meinem Buch ist ein „Vorbild“ - aber das merkt man erst am Schluss. Und nicht von Anfang an in jeder zweiten Zeile. Wie soll sich ein Kind mit den modernen Edelmenschen identifizieren können? Kinder sind nicht perfekt!

Und für die billige Schiene ist mein Buch zu teuer. Die vielen Bilder machen es kostspielig. Und auch sonst im Verlagswesen: Unglaublich, wer da alles die Hand aufhält! Ich recherchiere tagelang. Wenn ich mein Buch in der gewünschten Ausstattung in kleiner Menge selbst produziere, müsste ich einen Ladenpreis von 36 € verlangen. Sowas zahlt kein Mensch für ein Kinderbuch. Schweren Herzens entscheide ich mich für ein kleineres Format und eine Softcover-Bindung. Und ich werde es nicht bei Amazon anbieten. Denn Amazon zahlt dem Verleger angeblich nur die Hälfte des Ladenpreises – da müsste ich noch Geld dazulegen. Kein Wunder, dass sich die Verlage so zurückhalten!

01.07.14

Nie hätte ich gedacht, dass es so viel Spaß macht, einen Online-Shop einzurichten! Es ist eine ganz eigene Art der Kreativität. Das Geschäftliche ist lästig, aber das gehört dazu. Aber die Produkte interessant zu fotografieren, die Seiten ansprechend zu gestalten, die Produkte schön zu arrangieren – das braucht viel Zeit und ist wirklich befriedigend.

01.06.14

Kunst im Park“ war ein Reinfall. Früher war das ein Treffpunkt für Maler und Graphiker. Heute ist es ein Kreativmarkt für Hobbykünstler: Vogelhäuschen, Filz-Taschen, Töpferei etc. Ich fühle mich völlig fehl am Platz. Zwischen den Menschenmassen ist kein Austausch, kein Kunstgespräch möglich. Nicht mal ein Verkaufsgespräch kann man führen: Niemanden interessiert es, warum oder wie ein Bild zustande kam. Die Leute haben nur Zeit für einen flüchtigen Blick. Sie nehmen gar nicht wahr, dass meine Tier-Miniaturen kein Foto sind, meine Drachenbilder kein Zeichentrick-Motiv.

Jetzt habe ich das Haus voll mit Produkten, die ich völlig umsonst habe anfertigen lassen. Ich spiele mit dem Gedanken, einen kleinen Laden zu eröffnen, eine Art Kunst-Boutique. Aber die Kosten sind untragbar, die Öffnungszeiten ebenfalls, und Ettringen ist für sowas nicht der geeignete Ort. Statt dessen gestalte ich mir einen kleinen Online-Shop beim Kreativ-Portal DaWanda. Da kann ich dann gleich meine handwerklichen Dinge auch mit anbieten: die Bänder aus meiner Mittelalterzeit und die Puppenkleider, die ich gerade für mein Patenkind entwerfe.

01.05.14

Ich bin für den Künstlermarkt „Kunst im Park“ in Kempten angemeldet. Die Vorbereitung fällt mir erstaunlich schwer. Ein Markt – das bedeutet verkaufen. Man muss Produkte haben, die dem Publikumsgeschmack entsprechen. Was soll ich da nehmen? Die Drachenbilder scheiden aus. Die brauche ich 2015 für die Ausstellung im Augsburger Zeughaus. Erstens verkaufe ich die nicht, und zweitens kann man die nicht im Freien ausstellen, dazu sind sie viel zu kostbar. Was habe ich sonst? Ich entscheide mich für Graphiken im Ornamentik-Stil, aus denen ich eine ganze Wand gestalte. Als „verkaufbare Produkte“ lasse ich Grußkarten von meinen Aquarell-Motiven machen und Puzzles von meinen Drachenbildern. Alles muss eingetütet und ausgezeichnet werden, eine Menge Arbeit für so einen einzelnen Tag. Als die ganze Kiste vor mir steht, bin ich sehr zufrieden.

01.10.13

Wie so oft debattiere ich mit meiner Künstler-Freundin die Frage „Was ist Kunst?“ Sie findet meinen Ansatz falsch, sich auch mal zu überwinden, wenn ich keine Lust habe. Sie will ihre Kunst nur in Entspanntheit ausüben. Aber ich arbeite oft gut unter Druck. Hier ein Auszug aus meinem Antwort-Brief“:

Für mich gehört das Ringen um das Ziel einfach dazu. Solange ich nicht zufrieden bin, ist es nicht genug. Weil es ja um mein Leben geht. Für dich ist es wichtig, dass du das Ziel in Entspannung erreichst. Für mich braucht es die Überwindung, die Disziplin, die Leidenschaft, das Feilen. Dass deshalb meine Kunst mehr Arbeit braucht, bis sie fertig ist, ist verständlich. Aber nur, weil ich eben so bin. Das Ergebnis ist deshalb nicht "besser" als das von anderen. Wenn ich in manchen Dingen andere Vorstellungen von "in meinen Augen richtig" habe als andere Menschen, ist das ja meine eigene Sache. Und es heißt nicht gleichzeitig, dass das von anderen Menschen anerkannt oder gemocht werden muss.
Wenn ich Pech habe, haue ich meine ganze Kraft und Leidenschaft rein, und keinen interessiert es. Weil es nicht Mainstream ist. Aber genau deshalb ist es
meine Kunst: Weil ich so male, wie ich es haben will. Wenn alle Leute sagen: "Das braucht's doch gar nicht, so genau muss das doch gar nicht sein, Kunst ist Entspannung, niemand fragt danach, ob das 'richtig' ist, der Fotoapparat kann das doch auch abbilden, dazu muss man doch nicht so viel Arbeit und Zeit und Leidenschaft und Geduld und Üben reinstopfen!", dann betrifft mich das gar nicht.Weil es ja ausschließlich darum geht, dass es mir gefällt.“

01.09.13

Ich bereite meine Ausstellung vor. Das ganze Drumherum gehört auch dazu! Bilder rahmen, sicher transportieren, sie mit Hammer und Nägeln aufhängen, Begleittexte schreiben etc. – alles sehr unkünstlerisch. Aber Präsentation ist wichtig! Es reicht nicht, im stillen Kämmerlein kreativ vor sich hinzuträumen.

15.08.13

Die Geschichte für das Drachenbuch ist geschrieben. Jetzt steige ich in eine ganz neue Form der Kreativität ein: Ich muss die Bilder malen, die noch fehlen. Zuerst habe ich ja einfach nur fröhlich ein Drachenbild nach dem anderen gemalt, und die Grundidee zu dem Buch schlummerte vage im Hintergrund. Aber jetzt steht die Geschichte – nun muss der Rest her! Zum ersten Mal in meinem Leben male ich gezielt Bilder, die nötig sind. Und siehe da: Die Imagination funktioniert auch hier.

01.08.13

Die Malklasse war ein voller Erfolg. Natürlich haben sich nur Kinder angemeldet, die mit breiter Brust kommen konnten: Sie galten zuhause schon als gute Zeichner. Aber mein Ansatz, ihnen zuerst Kenntnisse beizubringen und sie dann in der Arbeit behutsam anzuleiten, hat sich bewährt.

Ich habe mich so gefreut, dass jeder Schüler zum Abzeichnen ein dreidimensionales Modell wählte. Keiner machte Anstalten, einfach nur ein Bild abzumalen, obwohl genügend Bilder und Fachliteratur im Raum war. Und ein Bild nachzumalen ist ja viel einfacher! Aber sie haben sich bereitwillig meiner Führung anvertraut.

01.07.13

Ich unterbreite meinen Schülern die Vision einer Malklasse. Die Reaktion ist erschreckend: Ganz viele Kinder sagen sofort: „Ich kann das nicht!“ Ich beobachte das häufig. Seit Kunst in aller Munde ist, wird jeder dazu ermutigt, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Aber ich kenne viele Kinder, und mir ging es jahrelang genauso, die so etwas nur als Belastung empfinden. Sie fühlen sich nicht kreativ. Sie würden gerne malen, wissen aber nicht, wie es geht. Und da das Vermitteln der handwerklichen Fähigkeiten, der malerischen und zeichnerischen Techniken, heute sehr viel weniger gefördert wird als früher, fehlt ihnen das nötige Handwerkszeug.

Was nützt ihnen die Tatsache, dass sie für ein Werk vermutlich gelobt werden - zur Zeit gilt jeder künstlerische Ansatz als lobenswert – wenn die Kinder ihr Werk nicht als befriedigend empfinden? Weil sie etwas darstellen wollten, aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, weil ihnen die Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen?

01.06.13

Ich schreibe weiter Geschichten für die kleine Freya. Kurz müssen sie sein, denn ich habe immer nur genau 17 Zeilen zur Verfügung. Das Format ist genau festgelegt. Ich stelle fest: Beschränkung inspiriert! Es ist eine Herausforderung, auf diesem vorgegebenen Raum eine ganz winzige Geschichte zu entwickeln: Einleitung – Hauptteil – zwei abschließende Sätze. Meisten muss ich in der Einleitung einen Satz rausnehmen, dann passt es.

01.05.13

Ich will Geschichten schreiben zu meinen Tierbildern. Es sollen Geschichten sein, die zum Bild passen und zu einem kleinen Kind. Ganz sanft, ganz liebevoll, mit einem kleinen Lächeln. Nichts Heftiges oder Trauriges, kein pädagogisch erhobener Zeigefinger, aber ein bißchen Lebensweisheit darf schon drinstecken. Der Vorleser darf ja auch was davon haben.

Die Einstellung eines Freundes inspiriert mich: Er gibt seiner kleinen Tochter schon mit 18 Monaten ganz viel von seinen eigenen detaillierten Kenntnissen über die Tierwelt mit. Ab da ist klar: In dem Buch kommt nicht einfach nur „ein Schmetterling“ vor. Da gibt es den Bläuling, den Zitronenfalter und den Kleinen Feuerfalter.