Braucht Kunst Leidenschaft?

Wie so oft debattiere ich mit meiner Künstler-Freundin die Frage „Was ist Kunst?“ Sie findet meinen Ansatz falsch, sich auch mal zu überwinden, wenn ich keine Lust habe. Sie will ihre Kunst nur in Entspanntheit ausüben. Aber ich arbeite oft gut unter Druck. Hier ein Auszug aus meinem Antwort-Brief“:

„ Für mich gehört das Ringen um das Ziel einfach dazu. Solange ich nicht zufrieden bin, ist es nicht genug. Weil es ja um mein Leben geht. Für dich ist es wichtig, dass du das Ziel in Entspannung erreichst. Für mich braucht es die Überwindung, die Disziplin, die Leidenschaft, das Feilen. Dass deshalb meine Kunst mehr Arbeit braucht, bis sie fertig ist, ist verständlich. Aber nur, weil ich eben so bin. Das Ergebnis ist deshalb nicht „besser“ als das von anderen. Wenn ich in manchen Dingen andere Vorstellungen von „in meinen Augen richtig“ habe als andere Menschen, ist das ja meine eigene Sache. Und es heißt nicht gleichzeitig, dass das von anderen Menschen anerkannt oder gemocht werden muss.

Wenn ich Pech habe, haue ich meine ganze Kraft und Leidenschaft rein, und keinen interessiert es. Weil es nicht Mainstream ist. Aber genau deshalb ist es meine Kunst: Weil ich so male, wie ich es haben will. Wenn alle Leute sagen: „Das braucht’s doch gar nicht, so genau muss das doch gar nicht sein, Kunst ist Entspannung, niemand fragt danach, ob das ‚richtig‘ ist, der Fotoapparat kann das doch auch abbilden, dazu muss man doch nicht so viel Arbeit und Zeit und Leidenschaft und Geduld und Üben reinstopfen!“, dann betrifft mich das gar nicht.Weil es ja ausschließlich darum geht, dass es mir gefällt.“